Gau Passau
Dieser Artikel ist erschienen im Rhaeten-Herold Nr. 639-S. 14

09.05.2026 - Gautag Thyrnau

Am Samstag, 09. Mai 2026 traf sich die Rhaetenfamilie des Passauer Landes zum 1. Gautag. Wir fuhren Richtung Hauzenberg in den unteren Bayerischen Wald (10 km von Passau entfernt) und trafen uns beim Kloster St. Josef in Thyrnau: Das ehemalige fürstbischöfliche Jagdschloss ist seit 1902 im Eigentum des Ordens der Zisterzienserinnen, die ursprünglich in Rathenau bei Luzern beheimatet waren.

Am Gautag nahmen teil: Rudolf Mandl, Johanna und Konrad Glas, Hildegard und Josef Geier, Barbara und Horst Seehars, Sigrid und Peter Springer-Ferazin, Christi-an Scheftner, die Witwe von Robert Brummer, Hildegunde und der Gauobmann mit Maria und deren Mutter.

Die Priorin der Abtei, Schw. Lucia Kienzler und Dipl. Ing. Architekt Norbert Sterl, ein gebürtiger Thyrnauer und „Familiare“, der ehrenamtlich das Kloster baulich betreut, begrüßten die Rhaetenfamilie und berichteten über die wechselvolle Geschichte:

In Thyrnau hatten schon im Mittelalter Passauer Ministerialien ihren Sitz. Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg erwarb 1692 das burgartige Gebäude. Sein Nachfolger ließ es abreißen und 1718 durch Baumeister Domenico d` Angeli ein neues Schloss bauen. 1763 übernahm mit Fürstbischof Leopold Graf von Firmian ein leidenschaftlicher Jäger, genannt „Nimrod im Purpurrock“, die geistliche und weltliche Macht im Fürstbistum Passau. Er ließ das Schloss erweitern und umgestalten für Zimmer seiner Gäste und Diener. Auch ein 85 Tagwerk großer Hirschgarten wurde angelegt. Große Jagden mit lustvollen Festen und illustren Gästen folgten.

Nach der Säkularisation fiel das Schloss 1803 an den bayerischen Staat und wechselte in der Folgezeit zehnmal den Besitzer bis dann 1902 die Zisterzienserinnen das schwer beschädigte ehemalige Jagdschloss kaufen konnten. Sie erweiterten die bauliche Anlage um Schwestern- und Gästewohnungen. 1914 erfolgte der Bau der Klosterkirche an der Ostseite des Schlossgebäudes nach den Plänen des Münchner Architekten Johann Schott. 1925 wurde das Kloster zur Abtei erhoben.

In den letzten Jahren konnten dank der Mithilfe von Förderern umfangreiche Restaurierungen im Gebäude durchgeführt werden, wie wir bei der Begehung feststellen konnten. Im Anschluss daran zeigte uns die Schw. Priorin Lucia in einem Nebengebäude Arbeiten der Paramenten- und Fahnenstickerei, die nach wie vor von den Nonnen mit großem Können durchgeführt werden.

Nun war es Zeit für die Mittagpause. Im „Landgasthof Krinninger“ pflegte die Rhaetenfamilie dann bei Speis und Trank das gesellige Gespräch. Thyrnau hatte für den Nachmittag noch eine Besonderheit zu bieten, nämlich den Besuch der nahe gelegenen „Loretokapelle mit der Schwarzen Madonna“. Pfarrer Andreas Erndl und Norbert Sterl berichteten, nachdem wir im Innern der Wallfahrtskapelle Platz genommen hatten: Fürstbischof Johann Phillip Graf von Lamberg ließ 1699 eine nach Größe und Form genaue Kopie der „Casa Sancta“ von Loreto bauen. Nach christlicher Überlieferung soll es sich dabei um die Bauelemente des einfachen Hauses handeln, in dem die Gottesmutter in Nazareth gelebt hat und die nach legendärer Überlieferung im Jahr 1291 von Nazareth über Zwischenstationen nach Loreto an der Adriaküste bei Ancona transportiert worden sein soll. Ab 1468 ist die Kapelle mit der prächtigen Basilika in Loreto überbaut worden. Um die Casa Sancta wurde eine monumentale Marmorverkleidung mit Reliefs der Darstellung aus dem Marienleben errichtet.

Hier in Thyrnau war der Aufwand für die Marmorverkleidung nicht zu finanzieren. Um 1700 wurde die Außenfassade mit nicht weniger eindrucksvoller Scheinarchitektur mit korinthischen Säulen, Gebälk und verkröpften Balustraden dekoriert. Es ist angedacht das Bildprogramm des Marienlebens wieder zu rekonstruieren.

Abschließend bedankte sich die Rhaetenfamilie für die interessanten Führungen in Thyrnau, die bei diesem Gautag insbesondere katholisch-bayerische Traditionen aufzeigten.

Bb Günter Albrecht, Gauobmann Passau